Ungarisches Portal veröffentlicht aus Anlass der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar Bilder aus dem Fotoalbum eines SS-Mannes

  • Heute ist der am 1. November 2005 von der Uno (ungarisch: ENSZ) ausgerufene „internationale #Holocaust-Gedenktag“, der auch hier eingeordnet werden soll, denn dieser Barbarei zu gedenken ist für Deutsche und auch geschichtsbewusste Ungarn sowie Menschen – nicht nur jüdischer und offizieller staatlicher Repräsentanten, sondern jedes Stand und jeder Nation – eine Selbstverständlichkeit. Am 27. Januar 1945 erreichten sowjetische Truppen das Konzentrationslager #Auschwitz und befreiten die letzten Überlebenden des Vernichtungslagers, die in einem grausamen Zustand angetroffen wurden. Einige von ihnen waren ungarische Juden; nicht alle kehrten in die alte Heimat zurück, wo sie praktisch von der überwiegenden Mehrheit ihrer Landsleute nach der Besetzung Ungarns durch die Wehrmacht am 19. März 1944 und der anschließenden Diktatur der Pfeilkreuzler, von rühmlichen Ausnahmen abgesehen, ihrem Schicksal überlassen worden waren.

    Während damit in Polen das Kapitel Juden- und auch – das sollte man in Hinblick auf Ungarn immer gesondert hervorheben – Zigeunervernichtung ihr Ende fand, gingen Leiden und Morden im Westen, im unbesetzten Teil des Reiches, noch weiter, so in #Buchenwald (bei Weimar). Dort wurde Lili Jacob Meier, ein vom Karpatenfuß (Kárpátalja, ein hauptsächlich von ethnischen Ungarn besiedeltes Gebiet, das seit 1945 zur Ukraine gehört) verschlepptes Mädchen erst am 11. April 1945 von den Amerikanern befreit. Sie traf in einer verlassenen Unterkunft der SS-Wachen ein Fotoalbum an, welches gleich auf dem ersten Blatt das Foto des Rabbiners ihres Heimatortes zeigt. Der Fotoband zeigt den Ablauf der Shoa (Ungarisch Soa oder Soá (‏‏שׁוֹאָה) ). Das Portal index.hu hat davon einige Fotos veröffentlicht. Allein zwischen dem Mai und dem Juni 1944 wurden 250.000 Ungarn jüdischen Glaubens nach Ausschwitz verschleppt, bis zum 7. Juli 1944, als Horthy die Transporte endlich stoppte, waren es 435.000 Landsleute und zwar, weil Ungarn damals größer war (z.B. gehörte durch Hitlers Schiedsspruch von 1938 auch Siebenbürgen zu Ungarn) sogar aus entlegenen Landesteilen wie eben der Ostkarpaten. Hier die interessante Bildauswahl:

    Zum Fotoalbum von index.hu

    Im August 1980 übergab Lili Jacob Meier das Auschwitz-Album der jerusallemer Holokaustgedenkstätte, dem Jad Vasem.

  • TV-Tip:


    Heute Abend um 21.25 Uhr bringt der ungarische Kultur-Sender den Spielfilm "Sorstalanság" nach einem Roman des ungarischen Schriftstellers und Nobelpreisträger Imre Kertész. Der Film wird freilich ohne Untertitel gezeigt und ansonsten bis auf ein paar gebellte deutsche Kommandos, mehr Kolorit, in Ungarisch.

    Wer ihn heute verpasst hat, das Werk, mit dem der Meister alles andere als zufrieden war (bei Spielfilmen legte er sehr strenge Maßstäbe an, bezeichnete z.B. Spielbergs "Schindlers Liste" kurz und bündig als "Kitsch"), kann ich auch hier in hoher Qualität sehen:


    https://gloria.tv/post/gjoZLSncbz8s6szLkVBWGcCGM


    Ist eben nur nicht am TV.