Leben im "deitschen" Dorf

  • @Vjdor


    Lieber Adam,


    ich möchte Dir zwischendurch einfach kurz "Danke" sagen. Deine Berichte sind ein wunderbarer Einblick in die Geschichte so vieler ungarischen Dörfer, welche durch überwiegend deutsche Einwanderer gegründet wurden.


    Leider verblassen diese Erinnerungen zunehmend im aktuellen ungarischen Leben. Das hat auch mit dem "Zahn der Zeit" zu tun. Die Eltern unserer ungarischen Freunde hatten noch deutschsprechende Eltern. In deren Familie herrschte schon die ungarische Sprache und es wurde kaum noch deutsch gesprochen. Die Kinder unserer Freunde können gar kein deutsch mehr...........


    Vereinzelt gibt es noch eine Art "Trachtenvereine" und "Schwäbische Musikkapellen", aber der Trend geht in eine andere Richtung. Die jungen Menschen in den Dörfern gehen vielfach in die Großstädte oder ins Ausland...... Und als Fremdsprache ist "englisch" wichtiger........


    Ich kritisiere das nicht. Es ist eben so - das Land und die Menschen entwickeln sich weiter.


    Deshalb ist es besonders schön, Deine Geschichten aus der Vergangenheit zu lesen.


    Schöne Grüße,

    Duna

  • Wir leben beschaulich in der Puszta, 8 weitere Bauernhöfe liegen hier. Zum Teil wird noch mit dem Pferd gearbeitet und das Obst von Hand gepflückt. Die Nachbarschaftshilfe ist groß geschrieben . Einer für alle, alle für einen. Das ist etwas, was das Leben hier für mich so erstrebenswert macht. Lg Tina

  • Es wurde Saupech (Kolophonium) auf die Sau gestreut und dann mit kochendem Wasser übergossen und mit Ketten die Borsten entfernt. Ich war derjenige der das Saupech aufstreuen durfte.

  • Das gab es bei uns in OWL auch jedes Jahr.

    Als Kind war das Schlachten des Schweins immer ein Horror für mich. Einmal lief es weg und verschwand in Nachbars Garten. Da habe ich mich gefreut und ein Stoßgebet zum Himmel geschickt, man möge es nie mehr finden. Leider wurde mein Flehen nicht erhört, und das Schwein musste den gleichen Weg zur Schlachtbank gehen, wie seine Vorgänger in den Jahren zuvor.

    Wenn die Sau dann drei Tage zweigeteilt im Keller auf der Leiter abhing, traute ich mich nicht, in den Keller zu gehen.

    Schön fand ich allerdings, wenn Oma und Opa kamen und mit halfen, das Schwein zu verwursten. Dazu gesellten sich dann auch noch Tante, Onkel und Cousine. Alle hatten ihre Aufgaben, die sie fröhlich erledigten. eingeteilt vom Koordinator, dem Schlachter.

    Der war allerdings immer betrunken!


    LG

    Lilly

  • Peitschenstecken schneiden


    Zu Maria Opferung , am 12. 11. wenn schon die Blätter von Bäumen und Sträuchern gefallen

    waren, gingen die Bauern Peitschenstecken schneiden. Weichsel- und Hartriegelruten wurden

    geschnitten, zum Bündel gebunden und heimgetragen. Zu Hause wurden sie ausgelesen undso 6-7

    Stück zusammengebunden und nach dem Brotbacken in den Backofen zum Trocknen gelegt.

    Die Bauern haben diese " Werktagspeitsch "aus Hanf geflochten am Ende wurde eine Quaste

    angebracht. Die Peitsche knallte besonders gut und eignete sich um die Bremsen und Fliegen vom

    Rücken der Pferde zu verjagen.

    Wenn die Dörfler auf die Märkte fuhren, so wurden den Pferden das schöne Pferdegeschirr

    angelegt. Am Kopfteil waren "Schalange" mit Spiegeln mit Buckelriemen angebracht. Auch der
    Schwanzriemen wurde angeschnallt. Der Wagen bekam dazu auch den ledernen Sitz und der

    Kutscher nahm die Peitsche aus "Spanisch-Rohr" oben mit eine Quaste aus rot-weiß-grüner

    Baumwolle. Im großen, ledernen Tornister war Schinken, Brot und Wurst eingepackt. Der

    "Temschö" war mit Rotwein gefüllt.

  • Ja, das Leben im "deitschem Dorf," es war nicht immer ein Vergnügen, oft war es eine Herausforderung für die, die da gelebt haben.

    Man hatte ja keinen Vergleichsmöglichkeiten, da man nie aus dem Umkreis von 7 bis 10 Km herauskam. Die Straßen und die Zuganbindungen gaben nicht mehr her. Die Reiselust damals war gering, nach dem Motto " was suchst Du dort ? es gibt doch auch nur Leute und Häuser..." und auf die aus der Stadt hat man nicht empor sondern " die Stoderer wissen gar nicht was gutes ist". Denn zu Hause hat man geschwelgt in ALLEM was der Hof hergab.

    Habe einiges selbst erlebt, habe meinen Eltern " aus der Stodt" berichtet, wie Sie Denken , Leben, der Alltag in der Stodt…..dass ich den Knigge gelesen habe , das man mit Messer und Gabel Essen soll, nicht die Suppe schlürfen soll ….etc. Summa Summarum, es war eine Zeit wo das zusammenleben einfacher war, Neid und Hass nicht Überhand genommen haben.

    Wie Sie lesen , schwelge ich in Erinnerung und werde leicht Sentimental, es war ein schöne Zeit, ich schätze mich glücklich Sie erlebt zu haben zu dürfen.

    Allen eine gute Zeit, wünscht

    Jakob